Craniosacrale Therapie
Möchtest du noch etwas zur Entstehungsgeschichte der Craniosacralen Therapie (CST) bzw. Cranialen Osteopathie wissen?
Von Kraft und Sanftheit des Meeres im Körper
Zunächst eine Voranmerkung:
Neuere Erkenntnissprozesse haben unsere Sicht auf die Craniosacrale Geschichte verändert. Auch in dieser kam es zu kultureller Aneignung indigenen Wissens der Native Americans und schwarz-afrikanischen Sklav*innen, auch durch den Begründer der Osteopathie A.T. Still. Wir möchten an dieser Stelle den Beitrag, den das Heilwissen dieser Frauen und Männer zur Entwicklung unserer Methode geleistet hat, würdigen. Die Geschichte sollte neu geschrieben werden, was uns aber an dieser Stelle nicht möglich ist. Herzlichen Dank an alle, die sich dieser Aufgabe annehmen!
Von der Wortbedeutung her kommt Cranio von Cranium, das bedeutet Schädel. Sacral stammt von Sacrum, dem Kreuzbein, ein aus fünf zusammengewachsenen Wirbelkörpern bestehender Knochen, der mit dem Steißbein das untere Ende der Wirbelsäule bildet.
Die Craniosacrale Therapie hat ihre Wurzeln in der Osteopathie, die von von dem US-amerikanischen Landarzt Dr. Andrew Taylor Still (1828 – 1917) entwickelt wurde. Er war Sohn eines Methodisten Pfarrers, oft bei Reisen zu den amerikanischen Ureinwohnern dabei und lernte viel von ihnen, von deren Lebensphilosophie und Heilmethoden. Auch das Wissen schwarz-afrikanischer Sklav*innen haben ihn wahrscheinlich beeinflusst.
Von ihnen lernte er Respekt vor und Nähe zur Natur und Achtung vor Mutter Erde. Wie in vielen Heilmethoden bildet die Einbindung in etwas Größeres, Weiseres als unseren menschlichen Verstand die Essenz, so auch in der Osteopathie und Craniosacral Therapie.
Dr. Still verlor 1864 seine erste Ehefrau Mary Elvira Still sowie drei seiner Kinder während einer Epidemie der spinalen Meningitis (Entzündung der Rückenmarkshäute). Dieses traumatische Ereignis gilt als einer der entscheidenden Auslöser dafür, dass Still die damalige Medizin grundlegend hinterfragte – ein Weg, der später zur Begründung der Osteopathie führte.
Auch die Theosophie beeinflusste sein Tun, er war ein "Tranceheiler", ein Heiler, der sich im Nachhinein nicht erinnern kann.
Bis er bei einer Cholera Epidemie nur halb in Trance fiel und dadurch seine Behandlungsweise replizieren konnte, um damit vielen Menschen zu helfen wieder gesund zu werden.
Er entwickelte die Osteopathie als eine Form der manuellen Diagnostik und Therapie. Dabei stellte er Gesundheit und nicht Krankheit des Menschen in den Mittelpunkt, was dem heutigen Begriff der Salutogenese entspricht. 1891 gründete er das Osteopathie - College in Kirksville/Missouri, wo er auch lehrte.
Einer seiner Schüler war William Garner Sutherland, (1873-1954), der 1900 dort seinen Doktor in Osteopathie (D.O.) ablegte. Er begründete zunächst die Craniale Osteopathie, die sich durch weitere Erkenntnisse in seinen Studien zur Craniosacralen Therapie entwickelte.
Sie ist zu einer eigenständigen Form ganzheitlich-manueller Körpertherapie gewachsen, die von der Körper-Geist-Seele-Einheit des Menschen ausgeht und neben fundierten Kenntnissen der Anatomie und Physiologie psychische und spirituelle Qualitäten mit einbezieht.
Als eine sehr sanfte Form der Körperarbeit basiert sie auf den Craniosacralen Rhythmen. Dieser zarte Körperrhythmus ist in seiner langsamsten und feinsten Frequenz ein Ausdruck universeller Lebenskraft („Atem des Lebens“), der über die physiologische Bewegung der Hirn- und Rückenmarkshautflüssigkeit vermittelt wird.
Er ähnelt der Gezeitenbewegung bzw. der regelmäßigen Wellenbewegung eines ruhigen Meeres. Diese Bewegungen bzw. ihre Einschränkungen können im Körper palpiert, die Fähigkeit zur Selbstregulation kann unterstützt und Heilungspotential erinnert werden.
Die heutige Bekanntheit der Craniosacralen Methode in Europa ist u.a. dem Arzt und Osteopathen John Edwin Upledger (1932-2012) zu verdanken, der in seine Lehre auch Nicht-Osteopath*innen einbezog.
Ebenso spielte der Osteopath Rollin E. Becker (1910-1996), Schüler und Vertrauter Sutherlands, bei der Verbreitung der Craniosacralen Osteopathie eine große Rolle. Aus seiner Arbeit und Lehre entwickelte sich der biodynamische Ansatz der Craniosacralen Therapie.
Als weitere Wegbereiter*innen der Entwicklungen der Craniosacralen Therapie möchten wir an dieser Stelle auch an die Osteopathinnen Viola Fryman (1921-2016) und Anne Wales (1904-2005), erinnern, die bereits bei D.O. Sutherland studierten, sowie an James Jealous (1943-2021), dessen Mentor D.O. Becker war, und an Franklyn Sills (1947-2025).
Unsere Methode wurde auch durch Andere weiterentwickelt und erweitert, vor allem in den Bereichen Biodynamik, Baby- und Kindertherapie, Embryologie sowie Autonomes Nervensystem und Traumalösung.
Wir danken allen anderen nicht genannten Kolleginnen und Kollegen für ihr Engagement in Praxis und Lehre – es ist ein gemeinsames Weben an einem besonderen Stoff des Lebens!
In unseren Aus- und Fortbildungskursen möchten wir den „alten“ Geist der Ursprünge mit modernen Formen der Behandlung und Meditation verbinden. Wir freuen uns auf Dich!